Wenn man als Kollegen zu einer Konferenz reist, aber als Freunde zurückkehrt

Nach meinem Sommer in der Türkei ging es für mich direkt (okay, eher mit vielen Zwischenstopps an Flughäfen und unnötigen Umstiegen) weiter nach Kapstadt in Südafrika zum Internationalen Kolloquium für Boden-Zoologie. Die ganze Woche in einem Wort: Wow (okay, vielleicht kein richtiges Wort, aber es gibt einfach keins, das all meine Eindrücke ausdrückt). Was für ein Ort, was für eine unglaubliche Fauna und Flora! Ich hatte nicht damit gerechnet, außerhalb der Konferenz viel vom Land zu sehen. Zum Glück lag ich damit falsch. Nur wenige Stunden nach meiner Ankunft rannte ich auf den Lion’s Head, für einen ersten Überblick über die Stadt.

Das Kolloquium selbst brachte viele konstruktive Diskussionen und spannende Präsentationen mit sich. Die Konferenz war so klein, dass man nach wenigen Stunden bereits fast jeden kannte. Konferenzen sind wunderbare Orte, um neue Inspiration zu sammeln, neue Perspektiven und Methoden kennenzulernen. Sie fühlen sich manchmal an wie eine Ersatzbatterie, die Energie für einsame, harte Tage im Labor und am Computer speichern. Und auch wenn WissenschaftlerInnen (zumindest in Spanien) nicht viel verdienen, sind internationale Konferenzen eine kleine Entschädigung dafür. Sie lassen auf einer tieferen Ebene in die Kultur und Ökosysteme des Gastlandes eintauchen. Viele lokale WissenschaftlerInnen hielten Präsentationen und teilten ihre Arbeit mit uns.Auch in den Pausen beim Mittagessen und Kaffee gab es zahlreiche Geschichten und Einblicke.

Am Exkursionstag entdeckte ein Bus voller ÖkologInnen/BiologInnen gemeinsam das Kap. Besonders im Kelp des Kaps summte und krabbelte das Leben. So viele Asseln, Läuse und Kakerlaken! Unzählige Steine wurden umgedreht, viel Kelp angehoben. Dort fanden wir auch einen toten Otter, der zur Lebensquelle für eine Vielzahl von Tieren wurde.

Im Nationalpark an der südwestlichsten Spitze wanderten wir zum Leuchtturm und entdeckten riesige schwarze Echsen, eine Puffotter und kleine Geckos. In den Klippen des kristallblauen Meeres brüteten einige Kormorane. Auch die Pinguine am Boulders Beach haben wir besucht. Gemeinsam entdeckten wir so viel mehr – Ich liebte die Neugierde und den Austausch von allen möglichen Tierfakten.

Trotz des vollen Konferenzprogramms schafften wir es, das Two Oceans Aquarium und den Botanischen Garten zu besuchen. Und dann ergriffen wir die Gelegenheit, Wale beobachten zu gehen. All das war nur möglich, weil wir uns der Herausforderung des Linksfahrens stellten. Abgesehen von vielen falsch gesetzten Blinkern (dafür betätigte ich oft den Scheibenwischer – aber warum waren gleich alle möglichen Knöpfe und Schalter im Auto vertauscht?!) lief es ganz gut. Eine kleine Herausforderung hatten wir durch eine etwas knapp kalkulierten Ankunftszeit für die Walbeobachtung (möglicherweise war ich in der Kalkulation involviert, nur als Warnung). Denn zusätzlich zur eh schon knappen Zeitrechnung, war unsere rumänische Kollegin 15 Minuten zu spät. Irgendwie schafften wir es, um 7:29 Uhr anzukommen, was uns eine Minute Zeit zum Bezahlen gab und um 7:30 Uhr auf das Boot zu springen. Und dann, nach nur fünf Minuten, tauchte eine riesige Walflosse auf – und mit ihr Gänsehaut pur. Ein unvergesslicher Moment – was für absolut beeindruckende Tiere! Wir sahen noch mehrere andere Wale und am Ende folgte uns sogar eine Grauwalmutter mit ihrem Kalb für einige Meter. Die ganze Fahrt hatte sich mehr als gelohnt.

Ich bin mir sicher, dass ich in dieser Woche nur einen kleinen Einblick in das Land bekommen habe. Doch dieser kleine Einblick reichte aus, um mein neues Lieblingsessen aus Südafrika zu entdecken: Achars – eine würzige, eingelegte Chutney-Variante, die einfach lecker ist (besonders die Mango- und Gemüsevarianten, aber ich bin sicher, es gibt noch viele weitere). Es erinnert etwas an indische Mangochutneys, aber doch auch anders.

Mit jeder Reise etwas näher zu sich selbst

Das Reisen mit meiner rumänischen Kollegin war voller Überraschungen. Ich sah sie als eine sehr stabile, organisierte Wissenschaftlerin und dreifache Mutter, die ihr Leben perfekt im Griff hat. Doch auf dem Flug nach Kapstadt, um 2 Uhr morgens, erzählte sie mir, dass ihr Mann sie vor einem Monat verlassen hatte. Dies erschütterte ihr Leben und brachte sie dazu, einige fundamentale Dinge infrage zu stellen. Sie sagte mir, dass sie ihr Leben verändern wird, falls sie Südafrika überlebt. Und dafür war sie vorbereitet: In ihrem aufgegebenen Gepäck befanden sich vier Liter Wasser, weil ihr Arzt ihr gesagt hatte, dass sie sich in Kapstadt nicht mit Leitungswasser das Gesicht waschen sollte. Dazu kam sie mit drei verschiedenen Arten von Mückensprays und nahm täglich Antibiotika zur Malaria-Prävention – obwohl es Winter war und weit und breit keine Mücke in Sicht war. Ich glaube, sie schadete ihrem Körper mehr, als dass sie ihm half. Gleich am ersten Tag, nachdem sie das Spray aufgetragen hatte, wurde ihr nach wenigen Stunden schlecht. Der einzige Tag, an dem wir im Botanischen Garten in den Wäldern unterwegs waren, vergaß sie es.

Manchmal hatte ich das Gefühl sie würde mit mir und meiner Professorin reisend etwas aus der Rolle ausbrechen, die sie sonst im Leben spielt. Neben ihrer Verspätung zur Wal-Tour trank sie einmal zu viel von dem riesigen süßen Kaffee und wir mussten auf dem Standstreifen anhalten, weil sie sich übergeben musste.

Sie schrieb ihren Töchtern Briefe, in denen sie ihnen erklärte, wie sich ihr Leben verändern würde, sobald sie die Südafrika-Reise überlebt hat. Sie sagte mir auch, dass ich wie ein Schmetterling sei, der von Blume zu Blume flattert, immer glücklich und lachend. Vielleicht hat sie hier meinen Lebenssinn entlarvt: Das, was ich lerne, weiterzugeben, Inspiration, Perspektiven und Ideen zu verbreiten.

Ich hoffe, sie entdeckt eine neue Welt, findet Frieden und Glück in sich selbst. Sie möchte mehr singen, mehr tanzen und weniger arbeiten. Ich stimme ihr in allem zu. Wir alle sollten uns inspirieren lassen. Man muss nicht erst eine 20-jährige Ehe beenden, um das Leben zu führen, das man sich erträumt. Es kann jederzeit passieren. Leben ist ständige Veränderung. Sie inspirierte mich, auch in meinem Alltag einige Dinge zu ändern. Mehr meditieren, öfter den Bus zur Arbeit nehmen, ehrenamtlich für den Naturschutz arbeiten und mehr tauchen. Jeden Tag ein besseres Ich werden. Danke, Südafrika, für diese Erfahrung!

Schreibe einen Kommentar